Plädoyer für das Landleben


Das Ende des Winters naht...

Schön, wenn die Tagestemperaturen wieder im positiven Bereich sind und unsereins keine Angst mehr vor Schnee haben muss. Denn Schnee hat mehrere unangenehme Eigenschaften:Er ist kalt, tritt sehr oft in großen Mengen auf und kommt meistens nachts. Alles in allem ist Schnee nicht dazu geeignet, in uns die soziale Kälte zu vertreiben.
Und doch machte ich im Dorf einige Entdeckungen, die dem widersprechen. Ein großer Landwirtschaftsbetrieb schiebt ungebeten die Schneemassen vor dem Feuerwehrdepot weg, weil die Kommunaltechnik dafür eine Nummer zu klein ist. Ein Reiterhofbesitzer schräg gegenüber nutzt seinen Radlader eigentlich nur zum Ausmisten der Pferdeboxen. Als es dann doch ein bisschen viel mit dem Schnee wurde, hat er mit seinem Lieblingsspielzeug bei den älteren Damen in der Nachbarschaft den Bürgersteig geschoben. Ihm hat es nichts ausgemacht und die Damen waren zufrieden. Als dann die Schmelze einsetzte, waren wieder einige Bürger dabei, die Abflüsse offen zu halten, damit das Wasser ungehindert von der Straße kommt. Da hat sich die soziale Kälte fast schon in Herzenswärme verwandelt.
Wenn man im Besitz eines Allradfahrzeugs ist, macht einem der Schnee ja sowieso nichts aus. Man war aber darauf angewiesen, wenn man in das dicke B wollte. Tief verschneite Hauptstraßen – von den Seitenstraßen nicht zu reden. Bürgersteige mit wunderbaren 20cm-Eisdecken und Parkplätze im Virgin-Snow-Style runden das klägliche Bild ab. Der Ruf nach BSR und Winterdienst wurde täglich lauter. Schuldzuweisungen, Diskussionen und anhaltende Meckereien in jedem In-Imbiss.
Das praktisch und sozial denkende Landei fragt sich natürlich, wie man denn in der Stadt die soziale Kälte vertreibt. Social Networks, NGOs, Kastanienalleausbauprotestierer/innen und Integrations-workshopteilnehmer/innen schaffen es nicht, auch nur einen Krümel Schnee beiseite zu schaffen. Der schwäbische Neuberliner droht der Hausverwaltung gleich mit Anzeige, der Dauerstudent fegt mit Schwung den Schnee von seinem Corolla auf das Nachbarauto und der In-Imbissbesitzer fegt nur Schnee, damit seine Raucher draußen mit Latte ne NIL Light ziehen können. Kein Stadtaffe hat es für nötig gehalten, zum Beispiel den Schnee seines Autos wenigstens an den Straßenrand zu fegen. Wenn in einem schönen Prenzl-Mietshaus so um die zwanzig Leute leben, bleibt für jeden etwa ein bis zwei Meter zum Schneeschieben. Das wäre sogar noch was für die Fitness, aber Studio is cooler. Als ich einen Bekannten fragte, warum er denn nicht den Schnee von seinem Parkplatz wegmacht, sagte er: Wieso, in die Parklücke fährt doch gleich ein anderer rein. Ich mache doch nicht für einen Fremden den Schnee weg.“ Habe ich verstanden.
Herzenswärme sieht anders aus. Okay-auch Social Responsibility wird in praktischen Fragen im dicken B nicht groß geschrieben. Das bringt mich zu folgender Erkenntnis: Ick bleib draußen! (JPH)